Experience
NEWS
Bericht zur Nordseewoche 2002 der SY Experience
mit
grünem Segel: die "Experience"

Foto:
Jan Kruse/nordseewoche
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Crew:
Helmuth König (Steuermann)
Klaus Both (Mast)
Henrik Peters (Vorschiff)
Olaf Sauerbier (Genua/Klavier)
Frank Spargel (Navigation/Vorschiff)
Ingo Hamer (Pitman/Groß)
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Cuxhaven - Helgoland 18.05.02:
Für die Hinregatta waren 3 Windstärken aus Ost gemeldet und -welch
Wunder- so war es dann auch tatsächlich beim Auslaufen um 7:15 Uhr.
Geplant war, mit vollem Groß und Kevlar Genua 1 über die Startlinie
zu laufen um danach gleich unseren brandneuen Gennaker zu ziehen.
Bis auf die Tatsache, dass wir die Linie ziemlich als letztes Schiff
querten, klappte alles prima. Der Windwinkel am Start war wie gemacht
für unseren Gennaker, der Wind fiel aus ca. 100 Grad ein. Nach der
dritten Tonne an Backbord wurde unser Kurs immer tiefer, somit schlechter
für unsere grüne Geheimwaffe. Mehr als 110 Grad Windwinkel, ist
mit dem Lappen nicht machbar -dachten wir! Vor dem Wind kreuzen
wäre das richtige -dachten wir!
Das Feld vor uns verabschiedete sich immer weiter und es wurden
die ersten Witze über unsere neue "Geheimwaffe" gemacht. Ob man
den Lappen noch günstig auf Helgoland gegen einen Spi eintauschen
kann? Nachdem das Feld dann uneinholbar weg war, hätten wir den
Gennaker auch verschenkt.
Ob wir nicht mit dem Teil trainiert haben? -Klar haben wir das,
jedoch nur auf Speed und Manöver; nicht auf mögliche Tiefe, d.h.,
beste Geschwindigkeit zum Ziel.
Als der Weg frei nach Helgoland war, wir praktisch anluven wollten,
drehte der Wind natürlich auch noch südlich. Also wieder platt vorm
Laken. Obwohl wir in den Jahren 2000 und 2001 jeweils den 2. Platz
auf dieser Strecke belegt hatten, schminkten wir uns diesmal alle
Pötte ab, zumindest solange wir mit Gennaker segeln. Wir spielten
mit den Fallen, Schoten, Barberhaulern und siehe da, die "Experience"
eierte zwar und die Segel standen nicht wirklich schön, dennoch
einen richtig guten VMG auf der Uhr. Da hatten wir es! Windwinkel
140 Grad und mehr waren möglich. Es war so, als hätte endlich einer
die Schleppanker reingeholt. Das Feld lief uns nicht mehr weg, ok,
wir kamen zwar auch nicht ran, hatten aber das gute Gefühl, den
Fehler gefunden zu haben. So konnten wir dann doch noch zwar als
letzter der Gruppe aber mit dem "Gennaker-Führerschein" in der Tasche,
den wir soeben auf den 35 SM erworben hatten, einlaufen. Gennaker
segeln muss man halt doch lernen.
Helgoland-Rund 19.04.2002
Nachdem wir unsere grüne Geheimwaffe nun endlich verstanden hatten,
liefen wir recht gelassen zur Startlinie aus. Das Wetter war mal
wieder traumhaft, als ob sich der Felsen für letztes Jahr entschuldigen
wollte. OK, Entschuldigung angenommen.
Der Kurs sollte uns einmal um die Düne führen und 27 SM (Große Bahn)
lang sein. Nach dem Start zwischen Düne und Felsen ein Anlieger
nach Nord mit Schrick in den Schoten. Ein schöner Kurs für unsere
X. Wir sammelten nach etwas vergeigten Start unsere Gruppe ein.
Nur einer lief uns über den Lappen. Die Baltic 70 "Loftfari" von
Hasso Plattner mit Hasso himself am Rad. Er hatte mächtig zu tun,
seine Maschine durch ein enges Feld zu schieben, in dem einige,
durch die Abdeckung der Insel und den dazugehörigen Drückern, schnell
mal aus dem Ruder liefen.
Nach ca. 3 Meilen hieß es abfallen auf einen östlichen Kurs. Auf
diesem 9 SM Leg mussten unsere neuen Erkenntnisse in Sachen Gennaker
her. Unser Trainingsschlag Cuxhaven-Helgoland machte sich jetzt
doch bezahlt. Wir konnten das Feld und sogar unsere Gruppe halten.
An der Tonne stand unsere erste richtige Kreuz auf dem Programm.
Unser Schiff ist gut auf der Kreuz, also mussten wir hier das Rennen
machen. Ein Großteil des Feldes blieb auf backbord Bug, um einen
langen Schlag unter die Insel zu machen. Da fast alle diesen Schlag
machten, entschlossen wir uns für steuerbord Bug und Richtung Insel
zu laufen . Nur wenige machten diesen Schlag.
Es war allerdings der Bringer!
Als wir Tonne Düne Süd fast anliegen hatten, legten wir um auf backbord
Bug. Von unten kamen sie langsam alle hoch, teilweise Schiffe von
denen wir dachten, die wären schon längst im Ziel. Die Überraschung
war wohl auf beiden Seiten groß. Also lagen wir gut im Rennen, um
nicht zu sagen, wir konnten schon die funkelnden Pötte bei der Siegerehrung
sehen. Wie das Leben so spielt, musste uns ja noch etwas passieren.
Kaum war der Gedanke ausgesprochen, kam Streich eins auch direkt
an Tonne Düne Süd. Wir mussten einer X 99 Raum geben, was wir natürlich
taten. Leider verloren wir bei dem Manöver völlig die Speed aus
dem Schiff und trieben irgendwie auf die Tonne zu. Mal eben abfallen,
ohne Strömung am Ruder, ist nicht leicht. Wie wir es geschafft haben
-keinen Schimmer- wichtig nur, wir haben die Marke gerundet und
konnten auf den Gennaker Kurs zur nächsten Marke drehen.
Der zweite faux pas ließ nicht lange auf sich warten. Bei einem
lauen Lüftchen rieselte plötzlich das Gennaker-Top von oben herab.
Direkt neben das Schiff ins Wasser, was einer Vollbremsung gleich
kommt. Der Schäkel hatte sich geöffnet und blieb natürlich oben.
Zufällig schaute ich in die grinsenden Crew-Gesichter eines hinter
uns segelnden Schiffs. Ohne viel Worte über "Warum?", "Wieso?" und
"was jetzt?", sammelten wir unseren grünen Lappen wieder ein, schlugen
unser zweites Fall an und zack, da war die Blase wieder. Die lachenden
Gesichter von eben waren jetzt schräg vor uns und staunten nur.
Tja, so ein Gennaker hat auch Vorteile!
Es war auch ein gutes Manöver, da hier meine (nicht nur meine) Theorie
über ruhiges vernünftiges Handeln an Bord klar gegenüber Gebölke
und hektischem Gewusel gewonnen hatte. Böse Zungen behaupten, so
was gäbe es manchmal bei uns... In der Ruhe liegt die Kraft!
Eine klare Absage an die Märchenerzähler, die meinen, "mit Gebrüll
geht alles schneller" oder "auf Regattaschiffen ist das halt so".
Der Rest der Strecke war nur noch Routine und mit einer kleinen
Kreuz beendeten wir das Rennen in der Hoffnung, diesmal einen vernünftigen
Platz ersegelt zu haben.
Die Überraschung bei der Siegerehrung! 1. Platz
Gruppe ORC 2, 1. Platz Gesamt ORC, 1. Platz Gesamt ORC große Bahn.
Na, da können wir unseren Gennaker ja doch behalten!
Für uns ein tolles Ergebnis, mit dem wir auf einem neuen Schiff
mit neuem Segelplan nicht gerechnet hatten.
Schade nur, dass es für die Cuxhavener Presse (die mit auf Helgoland
war!) wichtiger scheint, wer in der Altherren III gegen den Abstieg
bolzt. Nichts gegen Fußball, aber leben wir in Gelsenkirchen?
Die Ergebnisse der "Argo", "Static Electric", "X-Play", "La Vie",
"Kugelbake" usw... können sich nun wirklich sehen lassen und sind
sportliche Leistungen die auch Anerkennung verdient haben, zumindest
kennt man das so aus anderen, z.T. kleineren Segelstandorten.
Ist Cuxhaven nicht Bewerberstadt 2012?
Ingo Hamer
Crew "Experience"
Mai 2002
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