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SY "Khamsim"
NORWEGENTÖRN 2003/1

Am Freitag 01.08.2003 ging es los, das gleiche Ziel wie im letzten Jahr – Norwegen. Dieses Jahr aber nicht einhand, sondern mit meiner neuen Partnerin Heide, die dieses Jahr zum ersten Mal bei 3 längere Wochenendtörns in der Helgoländer Bucht mitgesegelt war.
Leinen los um 17.00h und nach dem Einkuppeln klang die Maschine gar nicht gut und brachte so gut wie keinen Schub. Mit Glück erreichte ich gegen das ablaufende Wasser den Kopfschlängel um dort wieder festzumachen. Zum Propeller getaucht, Propeller defekt!
Am Dienstag war der Propeller repariert. 1200h Leinen los und mit dem letzten ablaufenden Wasser unter Maschine elbabwärts. Beim Vogelsand Segel gesetzt, der Segelurlaub hatte begonnen!
Mittwoch 0400h aus dem Hafen von Helgoland gesegelt. Eigentlich wollten wir früher los. Der Wecker war falsch gestellt. Dann erlaubte uns der Wind nicht mit Nordkurs zu segeln. Um 1308h standen wir 32sm westlich von Sylt auf der Höhe von Kampen. Ich erklärte Heide, dass wegen der Distanz von mindestens 7Std. ein Übernachten in einem Hafen nicht infrage kommt. Doch der Hauptgrund für´s Durchsegeln war wohl, es gab genug Wind zum Segeln und wenig Wind oder Flaute war nicht vorhergesagt. Beständig entfernten wir uns von den Inseln. Beim Kartenwechsel um 2022h standen wir 39sm westlich Fanö.
Wir waren den ganzen Tag immer über 5kn gelaufen. Das ist ganz manierlich für die 24Jahre alte „Khamsin“ mit ihrer alten Besegelung.
Um 2237h vermerkt das Logbuch die östlichste Position mit Ost 007°16,3 bei N55°37,5. Der Wind drehte und ein Kurs um 5° wurde möglich.
Es war noch Dämmerungslicht während der halbe Mond im Süden ab und zu zwischen den Wolken auftauchte.
Ab der Westspitze des Horns Rev war der Schiffsverkehr dichter geworden.
Die Wachen hatten wir so geregelt, wie es sich auf früheren Reisen mit unerfahrener Crew bewährt hatte. Tagsüber schlief ich ab und zu eine Stunde wenn es die Situation zuließ, mit der klaren Anweisung mich bei der geringsten Unklarheit zu wecken und in der Nacht war meine Wache.
Der Mond ging kurz nach Mitternacht unter und es wurde eine stockfinstere Nacht. Die leichten Wolken verhüllten die Sterne. Die einzigen Lichter in der Nacht waren die der anderen Schiffe.
Heide schlief, während ich wegen zunehmendem Wind das 1.Reff einband. Die Aktion war abgeschlossen, ich spürte einige wenige Regentropfen und dachte:“Jetzt fängt´s auch noch an zu regenen!“
Weit gefehlt, ausser den wenigen Tropfen kam da nichts, nur der Wind schlief fast ein. Ausgerefft.
Ab 0430h ging Heide Wache und um 0555h dümpelten wir in der Flaute.
Wir waren ab Helgoland 129sm gesegelt, das war für den Anfang ganz zufriedenstellend.
Flautenschutzhafen sollte Thorsminde sein.
Vor Thorsminde entschied ich mich wegen der zu erwartenden Hitze, die mich am Schlafen hindern würde, an diesem sonnigen Tag an dem sich kein Lüftchen regte für die Weiterfahrt nach Thyborön. Dies sollte unser Absprunghafen nach Norwegen werden. Das näher an Norwegen gelegene Hanstholm kannte ich und betrachtete es nur noch als möglichen Nothafen.
Während wir vor Jütlands endlosem Sandstrand nach Norden liefen, holte ich etwas Schlaf nach.
Gegen Mittag kam etwas Wind auf und als er stärker wurde hoffte ich es würden die für „Fischer“ vorhergesagten 3-4 Bft. und nicht nur die Mittagsthermik. Heide war auch der Ansicht wir sollten den Absprung versuchen. Vor dem Hafen von Thyborön setzte ich um 13.00h wieder die Segel , Kurs Norwegen. Unter Land nach Hanstholm wollte ich, auch wenn ich dorthin segeln konnte nicht!
So kann´s gehen. 15.50h nach ständig abnehmendem Wind den Rand der Thermik erreicht und unter Maschine zurück zur Küste, Kurs Hanstholm.
6sm vor Hanstholm taucht das erste Fischerfähnchen auf, seewärts erkenne ich immer mehr, will weiter unter Land um auszuweichen, bei 4m Wassertiefe wird klar ich bin diesen roten und schwarzen Ärgernissen in der falschen Richtung ausgewichen und auf die freie See geflohen. Nach all meiner Erfahrung mit diesen Fähnchen hätte mir das von vornherein klar sein können, vielleicht war es auch nur die Trägheit die sich nach stundenlanger Maschinenfahrt einstellt.
Wie auch immer, als wir von der Küst wegfuhren hatte ich das Gefühl mir bläst jetzt mehr, als nur der Fahrtwind auf die Nase. Ausgekuppelt. Da war Wind und es war mehr als um 1800h von der verbleibenden Thermik erwartete.
Neuer Versuch. Kurs Norwegen. Sollte der Wind wieder einschlafen, konnten wir noch immer zurück nach Hanstholm.
Lista würde ich auf dem möglichen Amwindkurs nicht direkt erreichen, sogar Mandal war fraglich.
0030h Monduntergang und in Nord noch der geliebte Dämmerungstreifen der nordischen Nacht.
0132h Wind schläft fast ein, frischt wieder auf. 330° MgK möglich.
0312h Morgendämmerung
0530h Sonnenaufgang
0731h norwegische Gastlandsflagge unter Steuerbordsaling gesetzt
0907h 10sm östlich des Feuers Ryvingen vor Mandal. Groß und Genua geborgen, machte nur noch 1,2kn Fahrt bei WNW-Wind. Kreuzen? Nein.
Gegen Mittag nahm der Wind aus unserer Fahrtrichtung zu und erreichte 4-5 Bft. Nach Passieren des Feuers Lindesnes, um 1447h zeigte mir ein einheimischer Segler, dass es für mich einen inneren Schärenweg gibt und ich folgte ihm in die Abdeckung der Schären.
1600h waren wir fest an der Tankstelle in Farsund und freuten uns auf die sauberen Duschen.
Seit Helgoland hatten wir in 60 Std. 298sm zurückgelegt, davon waren wir 208sm gesegelt, die Götter meinten es gut mit uns.

Um 0630h Leinen los, die Segel gesetzt und wir trieben mehr wir segelten die 3sm aus den Schären heraus. Aber auch diese guten 2 Std. hatten ihren Reiz und wir genossen es.
Vor dem Feuer Lista annimierten mich andere Segler den Blister zu setzen. Er stand nicht, darum bargen wir das Groß. So mußten wir mit einiger Mühe erst das Groß wieder setzen um den Blister zu bergen, als der Wind 1229h auf SSE 5 zugelegt hatte. Ca. 1415h konnte der Autopilot unseren NNW-Kurs nicht mehr halten, bei der . Backstagbrise mit 6Bft..
Trotz der kleinen Unannehmlichkeiten war es gutes Segeln.
Irgendwo auf halbem Weg zu dem Fjord bei Stavanger veränderte sich die Landschaft an der Küste, die Berge wichen zurück und wir segelten vor hügeligem Grasland, das mich ans Allgäu in Bayern erinnerte.
Wieder erlebten wir, wie schon gestern den Tagesgang des Windes, als wir um 2210h in den Hafen von Tananger einliefen, mußte ich einkuppeln, da ich fast keine Fahrt durchs Wasser machte.
Wir fanden eine Boje und machten mit dem Bug an der Pier fest. In dieser Nacht legten wir uns hin ohne den Wecker zu stellen.

Am Sonntag schlief ich lange während Heide schon die Umgebung erkundete. Schiff abpützen war alles was wir bewerkstelligten. Erst am Nachmittag begann der Wind zu blasen und schlief zum Abend wieder ein. Laut Wetterbericht war das festliegende Tief vor Island in die Irminger See gezogen, hatte unterdessen eine Kaltfront über „Utsira“ mit einer Welle über England

Am Montag „Leinen los“ um 0837h, nach verlassen des Hafens Segel gesetzt, 1sm getrieben, Jockel an, den Hafen von Haugesund wollte ich mir unbedingt noch ansehen, wenn ich schon mal hier war und Nachmittags kam üblicherweise etwas Wind auf.
Finde im Leuchtfeuerverzeichnis das Feuer Vistnestangen unter der angegebenen laufenden Lfv.-Nr. nicht. Nun muß ich, wenn ich wieder in Cux bin, das BSH benachrichtigen. Ist in Ordnung so, denn sie berichtigen auch ständig kostenlos meine Seekarten auf ihrer Website. Eine Hand wäscht die andere.
Flautenfahrt, Segelversuch, Flautenfahrt, erneuter Segelversuch. Das Tuch bleibt stehen und Heide hält im Karmsund das erste Mal unter Segeln die Pinne in der Hand. Der erwartete ZigZag-Kurs bleibt aus. Vor der Einfahrt in den Haugesund müssen wir die Segel wieder bergen. Wenig Wind, der auf die Nase und Großschifffahrt.

1454h Besichtigungskringel im Hafen von Karmsund gefahren und entschieden, wir fahren weiter, es ist zu früh zum Festmachen.
Die schmale, landwärtige von den beiden nördlichen Zufahrten nach Karmsund getestet und gegenüber dem Feuer Sörhaugöy in der bis ans Ufer tiefen Bucht die Segel gesetzt um bei N 2-3 Richtung Norden zu kreuzen.
„Klar zu Wende“, „Ist klar“, „Re“ , immer und immer wieder.
Dann kam es zu einer Begegnung der unheimlichen Art. Ein Musikdampfer kam aus dem vor uns liegenden Fjord, ging auf Südkurs, hielt auf uns zu und ging mit uns mit. Wir sahen ihn ständig direkt von vorn. Erneute Wende um auszuweichen und wir kommen wieder nicht vor ihm weg, er geht wieder mit uns mit und hält weiter direkt auf uns zu. Es ändert sich nichts an der Peilung obwohl wir ausweichen wollen. Wir sehen in nur beständig näher kommen. Erneute Wende in die alte Richtung und endlich wandert die Peilung aus. Er läuft hinter unserem Heck durch, ich lese „Cunnard“ und denke „Titanic“. Er fährt weiter seinen Bogen hinaus auf die freie See. Unter Autopilot, auf programmiertem Kurs, auf den Spuren der „Titanic“?
Danach war es es für uns weiterhin gutes Segeln. Nach der Einfahrt ins Bömlandfjord mußten wir dann bei nachlassendem Wind nur noch ein wenig abfallen und entschlossen uns in den Hafen von Langevögen zu gehen. Vor der Hafeneinfahrt bargen wir die Genua, verhungerten wieder in der Hafeneinfahrt und die restliche Seemeile zu den Sportbootliegeplätzen fuhren wir unter Maschine.

Als um 0630h am Dienstag der Wecker klingelte hatte ich bleierne Glieder, um 0640h im Wetterbericht wurden Winde zwischen 5 und 6 Bft. vorausgesagt, wir einigten uns auf weiterschlafen. Kurz nachdem wir wach wurden bemerkte Heide, dass wir auf die Stunde genau vor 7 Tagen in Cux ausgelaufen waren.
Wärend des Tages begruben wir ganz nebenbei die Träume noch einige sm weiter nach Norden zu schaffen. Wir hatten den nördlichsten Punkt der Reise erreicht und köpften am Abend eine Flasche Wein. Morgen wird der Wecker um 0525h klingeln.

Der Weg nach Norden hatte uns 327 Segelmeilen beschert und bei weitern 137 sm half uns der Jockel voranzukommen.


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