Nachdem
der Wecker am Mittwoch geklingelt hatte, aufstehen, Frühstück
und um 06.40h sehr schlechten Wetterempfang gehabt, wegen der
BBC Sendung für den Mittleren Osten? Warum ich das in Norwegen
so gut empfangen konnte bleibt die offene Frage. Trotzdem konnte
ich die aktuelle Vorhersage für „Utsira“ verstehen.
N 3-4, müßte ein akzeptabler Segeltag werden. Voller
Zuversicht nach Verlassen des Hafens von Langevögen auf Bömlo
die Segel gesetzt bei NNE 1-2.
Doch statt zuzulegen nahm der Wind eher ab, die Logge hatte beharrlich
eine 0 vor dem Komma. Da Strom von ca. 2kn in unsere Richtung
setzte, ließen wir die Segel oben und warteten auf den Wind.
Um 08.06h, nachdem wir in 45 Min 2sm über den Bömlafjord
getrieben waren, bargen wir die Segel. Hier vor dem Feuer Ryvarden
waren ein paar Steine, da war es dann angesagt wieder gut manöverierfähig
zu sein.
Ein Gutes hatte es jetzt unter Maschine zu fahren, wir konnten
uns einen kleinen Fjord namens Mylstrev ansehen. Wir fuhren in
das enge Fahrwasser und stellten fest, sehr schön hier und
fuhren auch mal dicht an den Felsen um zu überprüfen
wie dort die Tiefenangaben der Seekarte zu interpretieren sind.
Wir hätten dort wie an einer Pier festmachen können.
Nach dem Verlassen des Fjords erneuter vergeblicher Segelversuch
und unter Maschine weiter nach Haugesund.
Direkt in der Einfahrt des landwärtigen engen Fahrwassers
überholte uns ein die Katamaran, damit hatte ich nicht gerechnet,
ich war davon ausgegangen, daß alle größeren
Schiffe das breitere äußere Fahrwasser benutzen.
Unter der Hochbrücke, unter der man von Süden kommend
auch in den Hafen einfahren kann, am Lustbootanleger festgemacht.
Diese Zufahrt ist im Hafenhandbuch Nordsee nicht beschrieben.
Brückenhöhe 22m.
Nachdem wir ein Internetcafe fanden habe ich von dort den versprochenen
1.Reisebericht an SK Rainer Genau geschickt.
Während unseres Landgangs begann es zu regnen. Wieder beim
Schiff nutzte ich die anhaltende Flaute mit Nieselregen zum Ölwechsel.
Der angekündigte Wind blieb aus und das Wetter wurde immer
unangenehmer.
16.00h Leinen los, es lohnte nicht mehr auf Wind zu warten und
etwas weiter in Richtung Süden wollten wir noch kommen.
Nieselregen, zwischendurch etwas Wind, Segel hoch, kaum standen
die Segel schlugen sie auch schon wieder in der Flaute, nur der
Regen wurde bedeutend stärker.
Wir sahen uns einige Liegemöglichkeiten bei Kopervik, in
denen wir auf der Hinreise Masten gesehen hatten an. Der Hafen
selbst sah leer aus, gut geeignet zum Übernachten. Wir wollten
in dem Schietwetter ohne Wind jedoch trotzdem Skudeneshaven erreichen,
es ist einer der beiden Häfen vor dem breiten Skdenes-und
Böklafjord nördlich von Stavanger.
Vom Wind liessen wir uns nicht mehr foppen. In Skudeneshaven drehten
wir eine Runde in dem langen Hafenfjord mit privaten Kajen vor
überwiegend neuen schicken Häuschen, bessere Wohngegend.
Der Rest waren Industriekajen mit Autoreifen. Wir machten an einer
Betonpier vor einer Industriebrache bei der Hafeneinfahrt fest.
36sm gejockelt, 2sm unter Segeln getrieben, dichte Wolken, Regen
und Abends im Wetterbericht Sturm Böen für die Gebiete
südlich von uns und für den morgigen Nachmittag auch
für „Utsira“. Das hieß, morgen nach dem
Wetterbericht um 06.40h die knapp 20sm nach Tananger mit Wind
von hinten und keine Meile weiter.
Am
Donnerstag morgen war der Wetterempfang wieder von der BBC überlagert.
Was ich verstand, war gleichlautend mit gestern abend.
Segel gesetzt und aus dem Hafen gesegelt.
Raumer Wind 3-4. Bald kamen die ersten Böen und wir banden
das erste Reff ein. Der Wind legte mit jeder folgenden Böen
weiter zu und weil Heides Wissen beim Reffen noch nicht ausreichte,
ließ ich mir von ihr den Autopiloten geben, steuerte das
Schiff damit auf einen sicheren Halbwindkurs und band gleich das
3. Reff ein, bevor ich die Pinne wieder übernahm. Mein Ort
war mir unterdessen nicht mehr ganz klar, was hier im freien Wasser
nicht so tragisch war. Als ich ein fälschlicherweise angesteuertes
Seezeichen erreichte überprüfte ich die Position und
stellte fest ich war zu weit nördlich. Für den folgenden
Vorwindkurs bargen wir das Groß und der Wind nahm weiter
zu.
Sollte ich in den mir unbekannten Fjord nach Stavanger fahren
um dort Schutz zu suchen? Ein Blick in die Karte sagte mir, dies
hieße bei NNW Wind vor den Seen direkt in eine Düse
einfahren und danach kein Hafen in der Nähe, nur unbekanntes
Fahrwasser.
Weiter wie geplant nach Tananger und die Genua wollte auf diesem
Kurs einfach nicht stehen. Kreuzen vor dem Wind. In den Böen
pfiff der Wind in den Wanten und es bildeten sich lange Schaumstreifen
in Richtung des Windes, 7Bft.!
Heide reichte mir immer wieder die Karte damit ich unseren Ort
anhand der Seezeichen überprüfen konnte.
Das war auf einem solchen Kurs den der Autopilot nie halten würde
eine große Erleichterung gegenüber meinem bisherigen
Einhandsegeln.
Nach langen 3Std.20Min bargen wir vor der Hafeneinfahrt die Segel,
da der Wind direkt durch den Hafenzufahrtskanal blies.
Denn alten Liegeplatz konnten wir nicht nutzen, denn auch beim
zweiten Anlauf erwischte ich das Auge der Festmacherboje nicht.
Wir legten am Kopfende des Schwimmsteges an, wo zu unserer Erleichterung
ein Segler unsere Leinen annahm.
Dann am Abend mal wieder duschen und klönen mit deutschen
Seglern, die auf dem Rückweg von den Lofoten waren und die
dort endlose Flauten erlebt hatte.
Abends die Wettervorhersage „Utsira Süd“ NWN
9, schwere Sturmböen.
Am 3. Tag der Rückreise waren wir also zur Abwechslung eingeweht,
wie auch schon am Nachmittag dieses 2. Tages an dem die Böen
über den schützenden Bergrücken pfiffen.
Nach diesem fast komplett verschlafenen, erzwungenen Hafentag,
an dem ich endlich den Kocher reparierte, profezeite der Wetterbericht
um 21.05h für Samstag abnehmende Winde, am Nachmittag nur
noch 4-5Bft. mit abnehmender Tendenz.
Am
Samstag um 0640h wurden dann NWN6 vorhergesagt.
Um 0900h, der Wind hatte zwischenzeitlich etwas nachgelassen,
das Groß gesetzt während wir nur noch mit der Vorleine
am Steg hingen. Unter Großsegel abgelegt, vor dem Hafen
die Genua hoch und das Ablaufen konnte beginnen.
Gegen 1200h dachte ich es sei zu wenig Tuch gesetzt, doch mit
dem Vergrößern der Segelfläche wollte ich noch
bis gegen 13.00h warten, weil dann der Wind üblicherweise
etwas zulegte. Um 12.30h war es soweit.
Heide ging ihre ersten 5 Std. beim Schmetterlingsegeln, mit ausgebaumter
Genua und gesichertem Groß Ruder, bis der Wind zu stark
für sie wurde.Wir entfernten uns beständig von der Küste,
doch dies war der Kurs auf dem die Segel einwandfrei standen.
Als wir den Schifffahrtsweg erreichten segelten wir nach einem
Ausweichmanöver wieder Richtung Küste und luvten an.
Der Wind hatte beständig mit jeder Böe zugenommen und
als ich zum Großbergen auf Halbwindkurs ging und das Rig
durch das schlagende Tuch erschüttert wurde, war es Heide
das erste mal bange auf dieser Reise.
Um 17.00 h blies es für kurze Zeit mit 6-7 Bft.,um dann wieder
im gewohnten Tagesgang abzuflauen. Als wir unter Segeln gegen
19.30h in Kirkehamn auf Hidra einliefen waren es nur noch um 2
Bft.
64sm waren wir gesegelt. Es war ein schöner Segeltag, trotz
der üblichen Unannehmlichkeiten beim Segelbergen auf Vorwindkursen,
auf denen gerne mal ein bischen viel Tuch stehen gelassen wird
.
Für den Sonnntag wurde NNW 5 abnehmend und am Nachmittag
schwach bzw. umlaufend vorhergesagt.
Als wir um 1200h aus dem Fjord fuhren, in dem sich den ganzen
Vormittag kein fast Lüftchen regte, war auch auf dem freien
Wasser kein Wind.
Das motoren gab uns Gelegenheit die Zufahrten nach Rasvag auf
Hidra zu erkunden. Wir drehten unseren Kringel in dem nach allen
Seiten geschützten, niedlichen Hafen und sahen keine Gastliegeplätze.
Wärend wir Richtung Kap Lista jockelten, entschied ich gleich
nach Dänemark und nicht den restlichen Nachmittag weiter
entlang der norwegischen Südküste zu fahren, wie ursprünglich
geplant. Für den Montag war für „Fischer“
auch nur schwacher Wind vorhergesagt.
Tanken in Lista war schwierig, denn die Tankstelle war nicht besetzt
und wir mußten auf irgendjemanden warten der dort mit seiner
Tankkarte tanken würde.
Um 1630h verließen wir Lista mit Kurs Thyborön/Dänemark.
Heide ging von 19.00h bis 24.00h Wache und als es nach dem Sonnenuntergang
diesig wurde war ihr das unheimlich. Verständlich.
Als dann um23.00h der halbe Mond, in dieser sternenklaren Nacht,
aufgingwar auch für sie wieder alles in Ordnung.
Ab 24.00h ging ich Wache. Gegen 03.00h hatte ich das Gefühl,
dass mir mehr als nur der Fahrtwind auf die Nase blies, doch die
G1 wollte ich bei Nacht nicht anschlagen, weil ich Heide nicht
wecken wollte. Als es dann heller wurde befanden wir uns zwischen
Fischern, Höhe Jyske Reff, zwischen den fischenden Fahrzeugen
wollte ich bei leichtem Wind auch keine Segel setzen.
Um 005.08h war der letzte Fischer passiert, die Segel standen
und nach gutem Segeln vertrieb die aufgehende Sonne den Wind.
Unter 1.8 kn Fahrt, Jockel an. Der Wind legte später wieder
etwas zu, doch wir jockelten weiter. Vor Thyborön entschieden
wir dort reinzugehen wie geplant und nicht weiter nach Thorsminde
zu Segeln.
Fest 10.48h.
Wir schliefen den ganzen Tag, abends duschen und Essen gehen.
Danach fiel ich totmüde in die Koje und Heide schrieb das
Wetter mit: „Fischer“ W5-6, später WNW 6.
Am
Dienstag wurde ich zu spät wach um das Wetter abzuhören.
Der Wind blies schon um 07.30h mit einiger Kraft über die
Mole und nach einem kurzen Frühstück waren wir fertig
zum Ablegen..
Im Vorhafen Segel gesetzt, 2.Reff und G3.
Nachdem wir aus dem Thyborön-Kanal gekreuzt waren übernahm
Heide, um 1030 das erste Mal auf einem Amwindkurs bei 4-5 Bft.
das Ruder.
Vor dem Feuer Bovbjerg übernahm der Autopilot um 12.40h und
ich tippte weiter an diesem Bericht.
Der Wind blies von Zeit zu Zeit mit bis 5-6 Bft. aus SW. Vor dem
Feuer Lyngvik, 3sm nördlich Hvide
Sande, band ich dann das 3. Reff ein. Nach 10 Minuten begann es
abzuflauen und wir konnten bei 3 Bft. in den Hafen einlaufen.
Aus Dankbarkeit opferte ich Rasmus einen großen Schluck
Osborne.
Über Funk hatte uns der Hafenmeister gesagt wir könnten
im Südhafen festmachen, wo Sk Arno Stabbert aus der SVC unsere
Leinen annahm. Er lag dort mit seiner „True Love“
seit Gestern nachdem er von Cuxhaven aus durchgesegelt war.
Kaum hatten wir festgemacht, frischte der Wind, wie vorhergesagt,
aus WNW wieder auf.
Norbert
Neumann