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Noch nie in der Geschichte der olympischen
Sommerspiele haben die Segelwettbewerbe an der Nordsee stattgefunden.
Die Ostsee-Städte Lübeck, Rostock und Rügen/Stralsund, vor allem
aber die Landeshauptstadt Kiel, die bereits 1936 und 1972 Austragungsort
der Segelwettbewerbe war, sind in den edlen olympischen Wettstreit
mit Cuxhaven getreten.
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Nachdem die
ersten Hürden um den Status der nationalen Bewerberstadt genommen
wurden, führten wir ein Interview mit Dr. Hannes Ross. Der SVC-Vorsitzende
zählt zu den Verfechtern des Segelwettbewerb-Standortes Cuxhaven
während der olympischen Sommerspiele 2012.
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NEZ: Herr
Dr. Ross, im Rahmen der olympischen Sommerspiele 2012 bewirbt sich
die Stadt Cuxhaven für die Ausrichtung der olympischen Segelwettbewerbe.
Sie haben sich bereits vor geraumer Zeit mit Oberbürgermeister Heyne
beim Nationalen Olympischen Komitee (NOK) informiert. Hat Cuxhaven
überhaupt eine Chance?
Dr. Ross: Es haben sich fünf Bewerberstädte
für die Ausrichtung der olympischen Segelwettbewerbe 2012 gemeldet;
darunter auch Kiel als Ausrichter der Segelwettbewerbe 1936 und
1972. Natürlich leiten viele Interessierte daraus eine vermehrte
Chance für Kiel ab. Es könnte allerdings auch ein Bewerbernachteil
entstehen. Das IOC und das NOK betonen in der Ausschreibung besonders
die Absicht, entwicklungsfähige Standorte zu berücksichtigen. Somit
hat Cuxhaven gleiche Chancen wie alle Bewerber. In Wirklichkeit
wird es auf unser auszuarbeitendes Konzept zur Durchführung der
Segelwettbewerbe vor Cuxhaven ankommen. Cuxhaven wird ein Programm
vorschlagen, das auf unsere Bedingungen vor Ort auf dem Wasser und
an Land eingeht und ein anspruchvolles Revier mit großen Möglichkeiten
präsentiert.
NEZ: Das NOK für Deutschland orientiert
sich natürlich an den Kriterien des Internationalen Olympischen
Komitees (IOC). So dürften u.a. die Faktoren ,Beherbergung" und
,Olympisches Dorf" nicht unwichtige Bewertungskriterien sein. Hat
Cuxhaven entsprechende Gelände zu bieten?
Dr. Ross: Die Möglichkeiten zur Unterbringung
von Sportlern, Funktionären und Gästen, dürften in einem Fremdenverkehrsort
und Kurort mit den größten Übernachtungszahlen in Deutschland zu
lösen sein. In Ergänzung zu den vorhandenen Kapazitäten können in
der verbleibenden Zeit von der Wahl zum Austragungsort bis zum Jahr
2012 notwendige Erweiterungen gebaut werden. In der Planung wird
auch an den Einsatz von Luxus-Linern als schwimmende Hotels gedacht.
In jedem Fall ist in Cuxhaven das Know-how vorhanden. Über den Bau
eines olympischen Dorfes diskutiert die Politik zur Zeit. Es gibt
mehrere Standortmöglichkeiten in guter Nähe zum Zentrum am Jachthafen.
NEZ: Die Kardinalfrage ist doch,
ob Cuxhaven überhaupt über ein olympia-gerechtes Segelrevier verfügt.
Sind die von Kritikern aufgeworfenen Bedenken bezüglich der Strömungsverhältnisse
ausgeräumt?
Dr. Ross: Nach Aussagen vom Olympiateilnehmer
und Gewinner der Bronzemedaille, Roland Gäbler, sind die Strömungsverhältnisse
vor Cuxhaven in keiner Weise als Benachteiligung zu werten. Das
WSA hat uns Strömungsmessungen zur Verfügung gestellt, nach denen
um Tide-Hochwasser innerhalb von zweieinhalb Stunden der Strom im
Regattabereich nicht mit mehr als 1,5 Knoten maximaler Geschwindigkeit
läuft. Auch auf früheren olympischen Kursen wurden diese Stromgeschwindigkeiten
leicht erreicht oder gar übertroffen. Sportler bemängeln vielmehr
die windarmen Kurse auf manchen Revieren. Das ist ein wirklicher
Standortvorteil für Cuxhaven; auch im Vergleich zu den Mitbewerbern.
Gegen hohe See ist unser Revier unter normalen Segelbedingungen
durch natürliche Abdeckungen ausreichend geschützt. Ganz besonders
hat Roland Gäbler auch auf die Möglichkeit hingewiesen, in der Grimmershörn-Bucht
vor einer natürlichen Tribüne mit Zuschauern zu segeln. Gerade den
engen Kontakt zum Zuschauer schätzen die Leistungssportler besonders.
Hier wäre er auch für die Weltbesten im olympischen Segelsport herzustellen.
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NEZ: Das für die Wettkämpfe vorgesehene
Revier befindet sich außerhalb der Fahrrinne der ,Bundeswasserstraße
Elbe", in Höhe ,Medemgrund". Wie gelangen die Olympioniken mit ihren
offenen Booten, den Kielbooten und Jollen an ihre Wettkampfstätten?
Und: Gibt es an Land genügend Lagerplätze ?
Dr. Ross: In den vorbereitenden Arbeitsgesprächen
wurde ein Szenario entworfen, nach dem die Segler mit ihren Begleitbooten
aus dem Bereich Jachthafen und Fährhafen, in Absprache mit der Revierzentrale
und den Lotsen, das Fahrwasser gesichert kreuzen können, um die
Regattakurse zu erreichen. Gedacht ist an die zeitweilige Beruhigung
des Durchgangsverkehrs und eine ampelgesteuerte Lenkung des Querverkehres.
Diese Fragen werden mit den Mitarbeitern des Wasser- und Schifffahrtsamtes
(WSA) und den Lotsen intensiv diskutiert. Ich zweifele nicht an
einer einvernehmlichen Lösungsmöglichkeit. Zur Frage der Landplätze
für Boote und Ausrüstung stehen rund sieben Hektar Gelände zwischen
dem Fährhafen und der Alten Liebe zur Verfügung; zentral und für
die Zuschauer vom Deich hervorragend zu beobachten. Kein Mitbewerber
dürfte solche idealen Bedingungen anbieten können.
NEZ: Die breite Öffentlichkeit und
die zahlreichen Zuschauer aus aller Welt werden die Segelwettbewerbe
von den Deichen mitverfolgen können. Wäre es denkbar, Hubschrauber
oder gar einen Zeppelin über dem Wettbewerbsfeld zu positionieren,
um das Live-Geschehen auf großen Monitorwänden (Kaemmererplatz/Alte
Liebe etc.) noch transparenter zu machen?
Dr. Ross: Die Zuschauer haben in und
um Cuxhaven von den Deichen gute Möglichkeiten, die Segelwettbewerbe
zu verfolgen. Zusätzlich machen die modernen Kommunikationstechniken
die Übertragung auf Monitorwände in die Zentren des olympischen
Lebens in Cuxhaven oder auch vielleicht in Otterndorf möglich. Solche
Beteiligung der Zuschauer wird geplant und ist ja bereits in anderen
Sportarten üblich.
NEZ: Der olympische Segelwettbewerb-Standort
Cuxhaven lockt u.a. mit einem ,Konzept der kurzen Wege". Was ist
darunter zu verstehen?
Dr. Ross: Das Konzept der kurzen Wege
gilt für die Leistungssportler und die Zuschauer in gleicher Weise.
Zwischen dem olympischen Dorf, gleich an welchem Ort realisiert,
und den Liegeplätzen der Boote, dürften Fußgängerentfernungen Standard
sein. So sollten die Zuschauer ohne Autos ins Zentrum der Wettbewerbe
zwischen Fischereihafen und Kugelbake kommen, um dort das olympische
Leben miterleben zu können. Die bereits vorhandene Strandbahn könnte
weiter ausgebaut werden, um jeden Ort bequem und auf dem Weg als
eigenes Erlebnis zu erreichen.
NEZ: Die Eröffnungs- und Abschlussfeiern
dürften auch in Cuxhaven zu den olympischen Highlights zählen. Denkbar
und geradezu ideal wäre die Grimmershörnbucht. Hier hätten über
50 000 Zuschauer auf dem zur Tribüne umfunktionierten Seedeich Platz,
um die künstlerischen Events zu verfolgen, die auf einem Ponton
in der illuminierten Bucht stattfinden.
Dr.Ross: Natürlich haben sich auch zu
dieser Frage die Sachverständigen aus unserer Stadt bereits Gedanken
gemacht. Die guten Erfahrungen mit dem Sommerabend am Meer möchten
unsere Planer auf die Großveranstaltungen der olympischen Segelwettbewerbe
übertragen. Die Grimmershörn- Bucht bietet bei Hochwasser viele
Möglichkeiten der Unterhaltung und für künstlerische Darbietungen.
Das Nordseeheilbad Cuxhaven will auch auf diesen olympischen Opening-
und Final-Events der ganzen Welt die Schönheit unserer Lage am Meer
präsentieren. Ideen haben wir - wir brauchen nur noch den Zuschlag.
NEZ: Herr Dr. Ross, wir danken Ihnen
für das informative Gespräch.
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