Bordapotheke
Medikamente für die Küstenfahrt
von
Dr. Meinhard Kohfahl

Zusammensetzung und Umfang einer Bordapotheke richten sich zunächst nach dem Fahrtbereich, der Stärke der Besatzung, der Dauer der Reise, dem Gesundheitszustand der Besatzung dem Alter der Besatzung. Die folgende Aufstellung ist für eine vierköpfige Besatzung und eine vierwöchige Reisedauer gedacht.

.Bei größerer Personenzahl ist besonders die Menge der Mittel gegen Infektionskrankheiten und Durchfalle entsprechend zu erhöhen.

Für Sportfahrzeuge gibt es keine bindenden Vorschriften, jedoch nationale und internationale Richtlinien, wie sie z.B. in den Sicherheitsvorschriften der Kreuzer-Abteilung des Deutschen Segler-Verbandes fixiert sind.Diesen Empfehlungen hat sich der Germanische Lloyd angeschlossen.

Die Dauer der Reise hat zwar auch einen Einfluß auf den Umfang der Apothekenausstattung, jedoch nicht automatisch auf die Zahl aller Medikamente. Mittel gegen Schmerzen, Durchfälle und Infektionskrankheiten sollten aber vermehrt mitgenommen werden.

Liegt bei einem Besatzungsmitglied eine behandlungsbedürftige Krankheit vor, müssen die für die Behandlung erforderlichen Medikamente in ausreichender Menge zusätzlich mitgeführt werden. Er sollte den Schiffsführer über seine Krankheit und eventuell notwendig werdende Maßnahmen informieren!

Das Alter der Besatzung spielt bei Kindern eine Rolle, die für ihre Medikamente besondere Darreichungsformen benötigen, z.B. Säfte oder Kinderzäpfchen.

Für ältere Besatzungsmitglieder sollten zusätzlich Herzmittel und Antibiotika mitgeführt werden, auch wenn zu Reisebeginn keine Beschwerden angegeben werden.

Die Medikamente sollen an Bord kühl und trocken aufbewahrt werden. Zur Aufbewahrung eignen sich wasserdicht verschließbare, griffbereite, schwimmfähige Plastikbehälter mit Gummidichtungen und Wandhalterungen. Sie sollten möglichst keine Beschläge haben, die rosten könnten. Besonders bei umfangreichen Apotheken kann es vorteilhaft sein, wenn man Medikamente und Verbandsmittel für die Erste Hilfe in zwei getrennten Behältern unterbringt.

Aus Gründen der besseren Haltbarkeit und der Gewichts- und Platzersparnis wurde festen Arzneimittelformen (Tabletten, Kapseln, Dragees und Zäpfchen) bis auf wenige Ausnahmen der Vorzug gegeben. Bei Lufttemperaturen über 28º C können Zäpfchen schmelzen, deshalb müssen sie in ihren Folien bleiben. In kaltem Wasser werden sie wieder fest.

 

Mittel, die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen, sind für Sportboote nicht zugelassen. Sie finden sich deshalb auch nicht in der Aufstellung.

Die folgende Aufstellung der Medikamente, die in eine Bordapotheke gehören, ist nach Krankheitsbildern (Indikationen) geordnet. Sie ist der Apotheke beizufügen.

Für See- und die Tropenfahrt sind zusätzliche Medikamente, z.B. für die Malaria-Prophylaxe, erforderlich. Je nach Ausbildungsstand und Platz an Bord sollten Instrumente für Wundversorgungen, Verbandsmaterial und Pflegemittel (Fieberthermometer) mitgeführt werden. Die Ausstattung mit ärztlichen Instrumenten richtet sich nach der medizinischen Vorbildung der Besatzung, ob diese z.B. in der Lage ist, kleinere chirurgische Eingriffe vorzunehmen, Spritzen zu geben oder Infusionen anzulegen.

Die Apotheke ist erforderlichenfalls nach eigenem Ermessen zu ergänzen. Auch wenn die Besatzung nicht über medizinische Vorkenntnisse verfügt, ist eine möglichst komplette Apotheke dann vorteilhaft, wenn zwar kompetente Helfer verfügbar sind, diese aber keine Notfallausrüstung bei sich haben.

Beim Einrichten einer Apotheke sollte man sich die Medikamente entsprechend der Aufstellung besorgen und die Packungen möglichst auf allen Seiten groß mit einem Filzschreiber mit den Nummern (Lfd. Nr.) versehen. Dies erleichtert das Finden der Medikamente, die Kontrolle auf Vollständigkeit und erspart das Merken von Präparatenamen. In der nächsten Spalte (Kontrolle) können Vermerke über Vollständigkeit, Verbrauch oder Verfallsdaten gemacht werden.
Trinkwasser muß einwandfrei sein. Bei der Übernahme ist darauf zu achten, daß z.B. der Wasserschlauch nicht mit dem Hafenwasser in Berührung kommt. Vorteilhaft sind mehrere kleine Tanks für den Fall, daß Leckagen oder Verunreinigungen auftreten. Die Tanks müssen sich gut reinigen lassen. Desinfizierende Zusätze sind meistens nicht erforderlich. In der Trinkwasserverordnung für die Handelsschiffahrt sind nur chlorhaltige Desinfektionsmittel vorgesehen.

Atmungsorgane  

Lösendes Hustenmittel

Ambroxol

Hustendämpfendes Mittel

Codein-Derivate

Asthma-Tabletten

Euphyllin-Derivate

Asthma-Dosier-Aerosol-Spray

Fenoterol

Herz- und Kreislauf
 

Spray bei Herzanfall

Nitroglyzerin

Tabl. bei hohem Blutdruck

Nifedipin .

Tabl. bei niedrigem Blutdruck

Novadral

Blutdruck Tabl. zum Entwässern

Furosemid

Magen-Darm-Mittel
 

Tabl. bei Magenbeschwerden

Aluminiumhydroxid

Tabl. bei Übelkeit + Erbrechen

Metoclopramid

Tabletten bei Durchfall

Loperamid-HCI

Drag.bei Verstopfung

Dulcoiax

Blase und Nieren
 

Tabl. bei Harnwegsinfekten

Komb. v. Trimethoprim und Sulfamethoxazol

Schmerzmittel

 

Tabl. bei leichten Schmerzen

Acetylsalicylsäure

Tabl. bei Rheuma + Hexenschuß

Diclofenac-Na

Tabl. bei starken Schmerzen

Metamicol-Na

Beruhigungs- und Schlafmittel
 

Leichtes Beruhigungsmittel

Pflanzenextrakte

Stärkeres Beruhigungsmittel

Diazepam 5 mg

Mittel gegen Allergien
 

Tabl. bei leichter Allergie

Antihistminika

Tabl. bei schwerer Allergie

Corticosteroide

Mittel gegen Seekrankheit
 
Tabletten, Zäpfchen, Pflaster

Vomex Zäpfchen Scopoderm-TTS-Pflast.

Chemotherapeutika, Antibiotika
 

Chemotherapeutikum

Co-trimoxazol

Penicillin-Tabletten

Penicillin 1 Mill. E.

Tetracyclin-Tabletten

Tetracyclin 100 mg

Salben
 

Jucken, Sonnenbrand, Insekten

Antihistamin-Gel

Fußpilz

Clotrimazol-Creme

Rheuma, Hexenschuß, Prellungen

Salicylat-Creme