Die
Prüfung der Bewerbung Cuxhavens durch das Nationale Olympische
Komitee bedeutet für die Bewerberstadt eine Zäsur und
die Gelegenheit zum Rückblick wie zur Vorschau auf die nächsten
Monate. Im Februar wird die Evaluierungskommission ihre Bewertung
abgeben, im April will das NOK die deutschen Bewerberstädte
für die Sommerspiele und die Segelwettbewerbe benennen. Dann
gilt es international die Bewerbung vorzustellen sowie Freunde
für die letzte Entscheidung des IOC zur endgültigen
Vergabe an ein Land zu gewinnen.
Cuxhaven hat nach allgemeiner Überzeugung eine gute und schlüssige
Präsentation geboten. In einzelnen Gruppen nahmen Vertreter
der Stadt unterstützt durch Fachleute vor Ort zu Fragen aus
den unterschiedlichen Bereichen Stellung. Im Einzelnen ging es
um das Segelrevier, um die Organisation und Planung an Land, um
die baulichen Notwendigkeiten in und um die Olympiahäfen,
um die Lage, Planung und Finanzierung des Olympischen Dorfes,
um die Lage der benachbarten Sportstätten und Bäder,
um die Kapazitäten der Hotellerie, um die Verkehrsanbindung
vor Ort und überregional, um die Arbeitsmöglichkeiten
der Medien und schließlich um die geplante Finanzierung.
Gerade beim letzten Thema konnte Cuxhaven punkten, denn die anderswo
zu bauenden Häfen sind hier mit dem Seglerhafen und dem Fährhafen
vorhanden und stehen bereits zur Verfügung. Die Suprastrukturen
mit Rampen, Kränen, Wasch- und Trockenanlagen müssen
überall eingerichtet werden. Die vorhandenen Mehrzweckhallen
auf dem RoRo-Gelände wurden ebenso als Haben notiert.
Nach den Erfahrungen mit beengten Verhältnissen in Sidney
werden von der Organisation Landflächen von 6-7 ha gefordert.
Cuxhaven kann zwischen Fährhafen und Alte Liebe mehr als
10 ha in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Olympiahäfen
anbieten, davon mehr als ein Drittel betoniert .Die Deichlinie
könnte in diesem Bereich die natürliche Begrenzung markieren
und wäre zugleich eine hervorragende Tribüne für
die Zuschauer. Das Konzept in Cuxhaven geht von Segelwettbewerben
„zum Anfassen“ aus. So soll auch die alte RoRo-Anlage
am Seglerhafen als Tribüne genutzt werden. Allerdings müssen
in diesem Bereich noch Sicherheitsfragen gelöst werden.
Überzeugend war auch der Plan, die historischen Hapag- Hallen
mit den ausgedehnten Gepäckgängen als Medienzentum zu
nutzen. Die Anbindung an das Hafengelände würde über
ein Bootsshuttle erfolgen.
Große Aufmerksamkeit hat die Aussage des Vertreters des
Kreissportbundes gefunden, die 88.000 organisierten Sportler im
Kreis stünden als ehrenamtliche Hilfskräfte bei der
Durchführung der Spiele zur Verfügung.
Da man mit einem erheblichen Austausch zwischen den Sportstätten
der Sommerspiele und der Segelwettbewerbe für Offizielle
und Besucher rechnet wurde die schnelle Verbindung zum Seeflughafen
Nordholz als wichtig eingeschätzt.
Schließlich war die Beurteilung des Segelreviers zentraler
Punkt der Information. In Erläuterungen zum Transfer zu den
Bahnen, zu den Segelzeiten um Hochwasser auf dem Revier Medemreede,
zur Windsicherheit in der Elbmündung und schließlich
zum natürlichen Schutz vor hohem Seegang zwischen den Sänden
konnten die Fachleute vor Ort die Fragen nach der Machbarkeit
beantworten. Die Testregatten im August und September haben Grundlagen
für unsere Überzeugungsarbeit bereitet. In kritischer
Würdigung vor Ort hatten die Cuxhavener ihr Konzept ausgearbeitet
und fanden jetzt bei der Evaluierung Zustimmung..
Dafür gilt der Dank allen Beteiligten, ob in Behörden,
Ämtern oder als freie Mitarbeiter.
Wiederholt
werden Fragen nach den Kosten für Cuxhaven gestellt. Bisher
wurden alle Kosten von privaten Förderern getragen. Nach
dem Zuschlag für die Bewerberstadt durch das NOK ist durch
Stadt und Land eine finanzielle Garantie für die weitere
internationale Bewerbung abzugeben. Bei der Findung von Großsponsoren
für diese Phase hat das NOK seine Unterstützung bereits
zugesagt.
Die endgültigen Kosten für die Durchführung der
Wettbewerbe in 2012 werden aus den Einnahmen der Sommerspiele
und Segelwettbewerbe bestritten. Nach bisherigen Erfahrungen bleiben
deutliche Gewinne, die dann zwischen IOC, NOK und den Austragungsorten
aufgeteilt werden. Dabei würde ein Low-Budget Konzept wie
die Cuxhavener Planung weitere Vorteile haben.
Natürlich bedeuten Infrastrukturinvestitionen am Austragungsort
und in der Region Gewinn für alle.
Cuxhaven hat sich mit der Bewerbung um die Durchführung der
olympischen Segelwettbewerbe in mehrfacher Hinsicht gut aufgestellt:
Das Konzept zur Durchführung hat die Feuerprobe bestanden.
Weite Teile der Bewerbung überzeugen auch im Vergleich mit
den Mitbewerbern.
Die Stadt spielt im Segelsport weiter bei „den Großen
mit“.
Die Cuxhavener und die Region haben sich mit der Bewerbung solidarisiert
und in dieser Position eine Gemeinsamkeit gefunden.
Allein dieses Ergebnis rechtfertigt alle bisherigen Anstrengungen.
Hannes Roß, 24.11.02