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Nach dem Besuch der Evaluierungskommission des NOK

von Dr. Hannes Roß

Die Prüfung der Bewerbung Cuxhavens durch das Nationale Olympische Komitee bedeutet für die Bewerberstadt eine Zäsur und die Gelegenheit zum Rückblick wie zur Vorschau auf die nächsten Monate. Im Februar wird die Evaluierungskommission ihre Bewertung abgeben, im April will das NOK die deutschen Bewerberstädte für die Sommerspiele und die Segelwettbewerbe benennen. Dann gilt es international die Bewerbung vorzustellen sowie Freunde für die letzte Entscheidung des IOC zur endgültigen Vergabe an ein Land zu gewinnen.

Cuxhaven hat nach allgemeiner Überzeugung eine gute und schlüssige Präsentation geboten. In einzelnen Gruppen nahmen Vertreter der Stadt unterstützt durch Fachleute vor Ort zu Fragen aus den unterschiedlichen Bereichen Stellung. Im Einzelnen ging es um das Segelrevier, um die Organisation und Planung an Land, um die baulichen Notwendigkeiten in und um die Olympiahäfen, um die Lage, Planung und Finanzierung des Olympischen Dorfes, um die Lage der benachbarten Sportstätten und Bäder, um die Kapazitäten der Hotellerie, um die Verkehrsanbindung vor Ort und überregional, um die Arbeitsmöglichkeiten der Medien und schließlich um die geplante Finanzierung.

Gerade beim letzten Thema konnte Cuxhaven punkten, denn die anderswo zu bauenden Häfen sind hier mit dem Seglerhafen und dem Fährhafen vorhanden und stehen bereits zur Verfügung. Die Suprastrukturen mit Rampen, Kränen, Wasch- und Trockenanlagen müssen überall eingerichtet werden. Die vorhandenen Mehrzweckhallen auf dem RoRo-Gelände wurden ebenso als Haben notiert.

Nach den Erfahrungen mit beengten Verhältnissen in Sidney werden von der Organisation Landflächen von 6-7 ha gefordert. Cuxhaven kann zwischen Fährhafen und Alte Liebe mehr als 10 ha in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Olympiahäfen anbieten, davon mehr als ein Drittel betoniert .Die Deichlinie könnte in diesem Bereich die natürliche Begrenzung markieren und wäre zugleich eine hervorragende Tribüne für die Zuschauer. Das Konzept in Cuxhaven geht von Segelwettbewerben „zum Anfassen“ aus. So soll auch die alte RoRo-Anlage am Seglerhafen als Tribüne genutzt werden. Allerdings müssen in diesem Bereich noch Sicherheitsfragen gelöst werden.

Überzeugend war auch der Plan, die historischen Hapag- Hallen mit den ausgedehnten Gepäckgängen als Medienzentum zu nutzen. Die Anbindung an das Hafengelände würde über ein Bootsshuttle erfolgen.

Große Aufmerksamkeit hat die Aussage des Vertreters des Kreissportbundes gefunden, die 88.000 organisierten Sportler im Kreis stünden als ehrenamtliche Hilfskräfte bei der Durchführung der Spiele zur Verfügung.

Da man mit einem erheblichen Austausch zwischen den Sportstätten der Sommerspiele und der Segelwettbewerbe für Offizielle und Besucher rechnet wurde die schnelle Verbindung zum Seeflughafen Nordholz als wichtig eingeschätzt.

Schließlich war die Beurteilung des Segelreviers zentraler Punkt der Information. In Erläuterungen zum Transfer zu den Bahnen, zu den Segelzeiten um Hochwasser auf dem Revier Medemreede, zur Windsicherheit in der Elbmündung und schließlich zum natürlichen Schutz vor hohem Seegang zwischen den Sänden konnten die Fachleute vor Ort die Fragen nach der Machbarkeit beantworten. Die Testregatten im August und September haben Grundlagen für unsere Überzeugungsarbeit bereitet. In kritischer Würdigung vor Ort hatten die Cuxhavener ihr Konzept ausgearbeitet und fanden jetzt bei der Evaluierung Zustimmung..

Dafür gilt der Dank allen Beteiligten, ob in Behörden, Ämtern oder als freie Mitarbeiter.

Wiederholt werden Fragen nach den Kosten für Cuxhaven gestellt. Bisher wurden alle Kosten von privaten Förderern getragen. Nach dem Zuschlag für die Bewerberstadt durch das NOK ist durch Stadt und Land eine finanzielle Garantie für die weitere internationale Bewerbung abzugeben. Bei der Findung von Großsponsoren für diese Phase hat das NOK seine Unterstützung bereits zugesagt.

Die endgültigen Kosten für die Durchführung der Wettbewerbe in 2012 werden aus den Einnahmen der Sommerspiele und Segelwettbewerbe bestritten. Nach bisherigen Erfahrungen bleiben deutliche Gewinne, die dann zwischen IOC, NOK und den Austragungsorten aufgeteilt werden. Dabei würde ein Low-Budget Konzept wie die Cuxhavener Planung weitere Vorteile haben.

Natürlich bedeuten Infrastrukturinvestitionen am Austragungsort und in der Region Gewinn für alle.

Cuxhaven hat sich mit der Bewerbung um die Durchführung der olympischen Segelwettbewerbe in mehrfacher Hinsicht gut aufgestellt:
Das Konzept zur Durchführung hat die Feuerprobe bestanden.
Weite Teile der Bewerbung überzeugen auch im Vergleich mit den Mitbewerbern.
Die Stadt spielt im Segelsport weiter bei „den Großen mit“.
Die Cuxhavener und die Region haben sich mit der Bewerbung solidarisiert
und in dieser Position eine Gemeinsamkeit gefunden.
Allein dieses Ergebnis rechtfertigt alle bisherigen Anstrengungen.

Hannes Roß, 24.11.02

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