SVC-Startseite > Über die Pogo 2

"Wohnst Du noch oder segelst Du schon?"


Über die Pogo 2

von Heina

Während hierzulande die Regattaszene immer noch von IMS dominiert wird und fast alle Eigner und Schiffsfüher (bis runter zu den Jugendbooten) fluchen, dass es immer schwieriger wird, die Termine von Mitseglern für ein regelmäßiges Training und für Regatten zu koordinieren, sind uns die Franzosen da ein ganzes Stück voraus: Bei ihnen ist das Regattasegeln mit Zweiercrew oder Einhand äußerst populär.



Und zwar nicht nur bei den Open 60 (die uns in Cuxhaven besuchten), bei den Open 50, den Open 40 (wächst gerade rasant in Frankreich), den Figaros, nein, auch in der "Einsteigerklasse", den "Minis".

Mit diesen winzigen Booten fahren die Franzosen, aber auch Engländer und Segler anderer Nationen
Regatten im Mittelmeer, längere Regatten am Atlantik in Frankreich, ein Mini-Fastnet von Frankreich um den Fastnet-Rock und zurück (84 Schiffe dieses Jahr) und alle 2 Jahre eine Regatta über den Atlantk nach Brasilien, ca. 4000sm.

Bei den Minis gibt es die "Protos", das sind meistens Einzelbauten mit neuester Technik, also nicht nur Canting-Kiel der sich seitwärts bewegt, sondern auch noch vor-und rückwärts, neuesten Materialien, etc...Begrenzt sind nur die maximalen Maße: Länge 6,5m, Breite 3m. Das gilt auch für Tiefgang, Masthöhe, Segelfläche und Anzahl der Segel. Die international innovativste Klasse, aber sehr teuer.


Die "Serienschiffe" sind leicht entschärfte Protos. Sie verzichten auf teure exotische Materialen und haben einen festen Kiel.Und bei diesen Serienminis sind die "Pogos" praktisch DIE Marke.

Habe mir kürzlich im Land ohne 80 und 90 so eine Pogo 2 angesehen und bin sie auf dem Atlantik gesegelt. Die Pogo 2 ist ein typischer Vertreter der "Open Classes", die große Breite wird bis zum Heck geführt, eine Doppelruderanlage garantiert sehr gute Kontrolle. Obwohl nur 6,5m lang, glaubt man auf einem größeren Schiff zu sein. Die Segeltragezahl (Verhältnis Segelflläche/Verdrängung) entspricht übrigens der der Melges 24, und zwar sowohl unter Groß und GI als auch unter Groß und Spi.Das Groß ist oben extrem ausgestellt, also maximale Power, dafür kein Achterstag, nur Backstagen. Aber alle befindet sich im Griffbereich des Steuermannes. Der Gennakerbaum ist seitwärts schwenkbar, man kann also auch extrem tief fahren und hat trotzdem die Vorteile des Gennakerbaumes.


Die Pogo 2 wird sinnvollerweise mit einer NKE-Selbststeueranlage ausgestattet. Die arbeitet hydraulisch, ist fest unter Deck eingebaut und hält das Schiff unter Spi mit steiler Welle von achtern auf Kurs. Diese Selbststeueranlage ist mit den anderen Instrumenten vernetzt. Wenn nun so eine Flitzkiste plötzlich von 6kn auf 14kn beschleunigt, dann hat selbst ein Gyroskop (das macht gute Selbststeueranlagen aus) Probleme. Die NKE erhält aber sofort von der Logge eine entsprechende Meldung und reagiert entsprechend.

Am Wind ist so ein breites Schiff natürlich weniger gut als z.B. die J80. Der Speed downwind düfte gleich sein, das VMG durch den schwenkbaren Gennakerbaum besser. Außerdem macht so ein Hochsee-Skiff mehr Arbeit - ein Franzose,der sich gerade eine neue J80 gekauft hatte, dem hatte die Pogo 2 zwar auch sehr gut gefallen, aber sie war ihm zu sportlich und anstrengend.
Mir ist am wichtigsten, dass man die Pogo 2 downwind bei Welle problemlos alleine im zweistelligen Bereich fahren kann.

Und innen? Die Pogo 2 hat zwar einen winzigen Kocher und etwas, was sich "Kartentisch" nennt, aber das eignet sich besser zum Broteschmieren. Die Werbungsfrage, "Wohnst Du noch, oder segelst Du schon?" ist ziemlich eindeutig entschieden...


Fotos & Text: Heina