Le Vendée Globe 2004

SVC-Startseite > Vendee Globe 2004



Links zum Thema

Berichte von Heina  
Offizielle Seite (engl)  
Noch eine Vendee-Nachlese ... von Heina

Zum neuen Streckenrekord
Der Gewinner der letzten Vendee, Michel Desjoyaux, den die Franzosen wegen seiner scharfsinnigen Analysen den „Professor“ nennen, sieht 3 Hauptgründe für den neuen Streckenrekord: 1. Da ist zunächst einmal die extrem harte Konkurrenz . Die führenden Boote segelten häufig in sehr geringem Abstand und wechselten sich in der Führung ab. Ganz besonders in den südlichen Breiten genießen die Segler die endlosen Surfs und freuen sich über die guten Etmale. Wenn man allerdings permanent jemanden im Nacken hat, holt man hier einfach noch etwas mehr aus seinem Boot heraus. 2. Außerdem sind die Schiffe leichter geworden. Sein Siegerschiff der letzten Vendee hatte vor diesem Sieg ca. 500 kg abgespeckt.
Bei allen Booten war die Ausrüstung ebenfalls deutlich leichter, als im letzten Rennen. 3. Und drittens spielte das Wetter gut mit. Schon beim Äquator hatten die führenden Schiffe 3 Tage Vorsprung gegenüber dem letzten Rennen.


Zum Siegertrio
Vincent Riou führte im Indischen Ozean. Als die ersten Eisberge auftauchten, machte er einen Umweg nach Norden, um das Eisrisiko zu minimieren. Kein Bruch oder Bronze, hier besser Eis oder heiß , sondern ganz altmodische Seemannschaft. Das tat er ohne Zögern, und ohne sich groß über den Verlust der Führung zu beklagen, denn Jean Le Cam fuhr geradeaus weiter. Diese Vorsichtmaßnahme hat mir sehr gefallen und ich meine, dadurch hat er den Sieg noch mehr verdient!
Kurz vor dem Start hatte ich das Glück, Jean Le Cam persönlich alles Gute wünschen zu können. Wenn man so einen Segelstar mal ganz aus der Nähe mitbekommen hat, dann nimmt man Positions- oder Wettermeldungen aus dem southern ocean natürlich ganz anders auf, als wenn man den Segler nur von Fotos kennt. Es hat nicht ganz gereicht, für den „König“. Aber der Jean musste auch oft bei den Figaristi (Rekordteilnehmer) starten, bis es zum Sieg kam.
Während hierzulande Sportjournalisten, die selbst kein Sportabzeichen schaffen würden, oft nur die Sieger würdigen, wissen die Franzosen alleine die Teilnahme an einer so harten Regatta zu schätzten. Und jeder vordere Platz ist ein Sieg!
Mike Golding hat Höhenangst. 3x ist ihm das Fall gebrochen, 3x musste er in den Mast. Und 26m ist die halbe Höhe eines mittelhohen Kirchturmes!! Gut, dass zu diesem Zeitpunkt der Kiel noch dran war…

Nationenwertung
2 Franzosen an der Spitze, da ist für unsere westlichen Nachbarn die Welt weiterhin in Ordnung. Und das geht auch in Ordnung: In Frankreich sind Hochseeregatten unglaublich populär, auch bei Nichtseglern. Die Leistungsdichte ist extrem, nicht zuletzt wegen der
„Rekrutierungsklassen“ mit ihren vielen Regatten. Das fängt bei den noch halbwegs bezahlbaren 6,5m Minis an. In der Figaro-Klassen gibt es dann in den Leistungszentren den Feinschliff. Die Besten starten dann bei der Vendee.
Die Engländer mussten sich mit dem 3. Platz begnügen. Dafür hat Ellen es den Franzosen ja gezeigt. Mit dieser Situation können die Konkurrenten nördlich und südlich des Kanals leben.


Regionenwertung
Vincent Riou und Jean Le Cam wohnen ja gar nicht so weit auseinander. Damit bleibt für die Franzosen - und vielleicht nicht nur für sie - die bretonische Atlantikküste das Zentrum der Hochseewelt.


Konstrukteurswertung

1. Finot
2. Lombard
3.Owen Clarke
So sieht es offiziell aus. Wobei die Entwürfe von Lombard und von Owen Clarke neu sind,
das Finot-Boot ist der überarbeitete Sieger der letzten Vendee.
Jedes dieser Boote hätte gewinnen können. Die frühere Dominanz von Finot ist gebrochen, aber die etwas größeren Allrounder von Lombard, und vor allem von Owen Clarke,
konnten sich nicht vom älteren Finot-Design absetzen. Ich bin gespannt, wie die neuen Boote für die nächste Vendee aussehen.

Rigg
Keine Konfiguration konnte sich als klar überlegen erweisen.

Kiele
Als die Dinger aufkamen, hießen sie neudeutsch „canting-keel“. Dann wurde bei uns „Pendelkiel“ üblich. Seit einige dieser Kiele wirklich unter dem Rumpf unkontrolliert pendelten, und dann abbrachen, benutzen ich im Moment lieber das Wort „Schwenkkiel“.
Wenn man die Ausfälle bei der Vendee sieht, kann man nur konstatieren, dass die „Schwenkkiele“ bezüglich ihrer Zuverlässigkeit derzeit nicht ausgereift sind.
Aber auf den langen Strecken bieten diese Kiel dermaßen große Vorteile, dass kein Boot mehr eine Vendee ohne einen solchen Kiel gewinnen wird.
Bei der Fastnet-Tragödie vor einem Vierteljahrhundert brachen die neuen Carbon-Ruder.
Heute fahren die Spitzenschiffe nur noch Carbon-Ruder, sie sind leichter und fester. Ruderbrüche auch bei hohen Geschwindigkeiten sind kein Thema mehr.
Der Super-Maxi „Skandia“ hat vor Australien kürzlich seinen „Pendelkiel“ verloren. Der Eigner in einem Interview nach der Rettung:“And, before you ask, I’ll be staying with the canting keel. It’s the future of the sport.”

Vendee – deutsche Regattaszene
Die Berichterstattung über die Vendee hat die Zugriffszahlen auf der Homepage der SVC
deutlich erhöht. Es scheint also Interesse an dieser Art Segelei zu bestehen, obwohl es keinen deutschen Teilnehmer gab. Das könnte ich ändern, wenn Boris Herman, der schon das Mini-Transat segelte, in diesem Herbst an der Transat Jacque Vabre teilnimmt, denn das ist schon fast ein möglicher Einstieg in die die Vendee. Wir berichteten auf dieser Seite ausführlich darüber.
Abgesehen von einem Einzelkämpfer wie Boris gibt es in Deutschland keine Basis für solche Regatten. Hierzulande kaufen sich die Leute Regattaschiffe, bei denen schon der Konstrukteur eine halbe bis eine ganz Fußballmannschaft auf der Kante als Ballast fest mit einrechnet, damit die Schiffe konkurrenzfähig fahren. Und richtig surfen tun diese Schiffe auch nicht. Aber das Segelvolk kauft diese Schiffe, weil es mental nicht über den engen IMS-Horizont sehen kann.
Im Mittelmeer scheint das Eis gebrochen. Die Transpac 52 erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Die Eigner der IMS500-Boote dürften sich bald recht warm anziehen müssen…
Die Transpac 52 werden nach einer Boxrule gebaut, es sind also nur Parameter wie Länge, Breite, Tiefgang, Mastlänge… festgelegt. Die Konstrukteure verwenden ihr Gehirnschmalz also nicht mehr darauf, die Geschwindigkeit relativ zur Vermessungsformel zu opimieren, ein langsameres Schiff kann berechnet schneller werden, sondern sie versuchen absolut schnelle und sichere Schiffe zu zeichnen
Vor gar nicht so langer Zeit hielt man Schiffe, die einen Formelbauch wie eine schwangere Python hatten, für schnell. Heute lächelt man über diese IOR-Gläubigkeit. Ich bin sicher, dass man in absehbarer Zeit auch über die jetzige IMS-Gläubigkeit lächeln wird...

Vendee – deutsche Fahrtensegelei
Hand aufs Herz, im Urlaub braucht man keine langen Kreuzstrecken. Lieber 1-2 Tage warten, dann wenigstens mit Schrick, besser mit halbem Wind oder raumschots. Unterm Strich kommt man mindestens so weit, und es macht viel mehr Spaß. Klingt nach Langkielersegelei?
Keinesfalls, ich denke an Open Classes zum Fahrtensegeln. Was in Deutschland –noch!!- als absurd angesehen wird, ist z.B. in Frankreich durchaus üblich. So werden z.B. gut 50% der kleinen Pogos (6,5m Mini) zum Fahrtensegeln benutzt.
Und das ist doch was: Obwohl nur Vaddern und Muddern an Bord, wird das Wort „Rumpfgeschwindigkeit“ bald niemand mehr buchstabieren können. Und das ganze ohne mühsam zusammengesuchte Regattacrew , einfach so. Und Vaddern ist glücklich, weil nur Fliegen schöner ist. Und Muddern ist glücklich, weil Vaddern nicht vor lautere Segellangeweile schon kurz nach dem Auslaufen nach dem ersten Bier verlangt.

Vendee – deutsche Segelbürokratie
Nicht nur IMS bremst die Entwicklung in Deutschland, auch die Segelbürokratie trägt ihren Teil dazu bei. Es gibt jetzt 5 6,5m Minis in Deutschland. Diese Schiffe segeln Regatten zwischen 300 und 1000sm in der Biscaya, von Frankreich um den Fastnetfelsen, sogar bis Brasilien. Eine Anfrage, ob diese international anerkannten Boote die Skagen-Regatta mit segeln dürften, wurde nicht ernst genommen. Ja, es gibt sogar für die Nordseewoche von Cuxhaven aus – niemals weitere als 18sm vom nächsten Hafen entfernt!!! – ernsthafte Sicherheitsbedenken….
Nur gut, dass es Vincent, Jean, Mike und Ellen nicht besser geht: Wenn sich im Herbst die deutsche Seesegelelite im schönen Flensburg trifft, dürfen sie auf der völlig geschützten Förde
und den sehr geschützten Gewässern davor nicht mitsegeln – Einhandsegeln ist aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt. Aber das liegt nicht an der Ostsee, auch bei der Nordseewoche gilt ein Startverbot für die Open 60s: Sie haben kein fest eingebautes Klo…..